Ferienlektüre Sommer 2024

Kindle Cover

Wir hatten zwei wunderbare Wochen „ETBL“ (Essen-Trinken-Baden-Lesen) Ferien in unserem Lieblings Agriturismo in der Nähe von Massa Marittima.

Wie auf dem Bild zu erkennen war es auch für den eReader meiner Frau eine Rückkehr 🙂

Die Auswahl der Bücher war heuer riesig und wir haben viele davon gelesen. Nicht ganz alle Bücher konnten restlos überzeugen.

Hier unsere diesjährige Leseliste mit sanfter Spoiler Warnung (und https Support für Pesche).

Vermisst – Der Fall Anna von Christine Brand

  • Eine Handlung mitten in der Stadt Bern, ohne die Lokation wie ein Reiseführer zu zelebrieren: Check
  • Eine taffe Ermittlerin, die Stärken und Schwächen kennt: Check
  • Ein seit 30 Jahren ungelöster Fall mit so mysteriösen Parametern, dass er sich im Buch überhaupt erst zu einem solchen entfaltet: Check
  • Ständig wechselnde Erkenntnisse und Fährten für Ermittler und Leser: Check
  • All das so spannend zusammengefasst, dass ich mich bis 01:30 Uhr morgens zum Ende durchlesen musste: Check

Fazit: Wer heuer nur ein Buch lesen will, dem empfehle ich dieses! 10 von 10 Punkten (mit Sternchen!)

Die Entführung von John Grisham

Wir lesen Grisham seit fast 30 Jahren und der Mann schreibt viel. Kaum ein Buch ist so berühmt wie „Die Firma“ und dass dieses Jahr eine Fortsetzung veröffentlicht wurde, erhebt das Buch zur Pflichtlektüre. Beim Lesen der neuen Abenteuer von Mitch & Abby McDeere blättert man die Seiten etwas verwundert um. Anstatt epischer Rechtsbelehrungen und Anwalts- sowie Kanzleipolitik findet man sich im gefährlichen Libyen der Gaddafi-Jahre wieder. Man könnte fast meinen, man hält einen neuen Jack Ryan Roman von Tom Clancy in den Händen.

Fazit: Kein schlechtes Buch, aber nicht der beste Grisham aller Zeiten. 7 von 10 Punkten

Die invasive Art von Manuel Schmitt

Knapp 50 Jahre in der Zukunft verschwinden die Meerestiere aus den Weltmeeren, und die Forschung steht vor einem Rätsel: Wo sind die Tiere geblieben? Eine durchaus interessante Science-Fiction Geschichte, im Stil der alten Michael Crichton Bücher. Doch kaum beginnt die Handlung Fahrt aufzunehmen und die Charaktere zeigen auch endlich wirklich etwas Charakter, ist die Geschichte gefühlt leider viel zu früh fertig, mit einem heftigen Ende.

Fazit: Der Epilog zieht die Punkte an Land. 7 von 10 Punkten

Views von Mark Uwe Kling

Ein Video auf Social Media zeigt den Missbrauch eines deutschen Mädchens durch Ausländer, woraufhin rechte politische Gruppen zur Selbstjustiz aufrufen und der Bundestag gestürmt wird. Es ist erschreckend, dies zu schreiben, doch zum Glück stammt diese Geschichte nicht aus der Zeitung von letzter Woche, sondern aus einem neuen Krimi, der in Berlin spielt. Mir gefällt die Protagonistin Yasira Saad sehr (auch wenn ihre Abstammung in der Gesichte auch nötige Klischees bedient), und ich hoffe nicht nur auf eine Fortsetzung der Geschichte, die ein etwas abruptes Ende findet, sondern am liebsten auf eine ganze Buchreihe.

Fazit: Das Ende ist etwas unbefriedigend, wenn nicht offen. 6 von 10 Punkten

Der Vorfall von Joshua Tree

Die Raumstation ISS, erweitert durch ein privat finanziertes und geheimes Forschungsmodul, muss evakuiert werden. Eine Amerikanerin und ein Deutscher überleben die Rettung, während ein russischer Kosmonaut ums Leben kommt. Die Protagonistin Amina Young, Psychologin bei der ESA, soll die in Moskau gestrandeten Astronauten befragen und die Vorgänge aufklären, bevor die ISS abstürzt und die Welt in einen neuen Kalten Krieg gerät. Im Buch geschieht dies durch (sehr) ausführliche Gespräche, Aminas Gedanken und Rückblicke aus Sicht der Astronauten. Fans von „For All Mankind“ werden die dort vorgestellten Machtspiele der internationalen Raumfahrt wiedererkennen. Mir gefiel besonders das Ende.

Fazit: Für Fans von „Nah-Orbit“ Science Fiction empfehlenswert. 7 von 10 Punkten

Der Astronaut von Andy Weir

Der Astronaut Grace erwacht auf einem Raumschiff ohne Erinnerung daran, wer er ist oder warum er überhaupt dort ist. Wie bei „Der Marsianer“ beginnt er nun, jedem Problem sein wissenschaftliches Know-how entgegenzuwerfen. Soweit so gut, das brachte Mark Watney ja auch vom Mars zur Erde zurück. Doch dann kommen Erinnerungsfetzen zurück, und die Fiction übersteigt die Science. Die Energie der Sonne wird von kleinsten fremdartigen Wesen aufgefressen, und die Menschen entsenden ein Team (nur er überlebt) zu einem der wenigen Sterne, die nicht befallen sind. Dort trifft Grace schon früh im Buch auf ein weiteres Raumschiff mit einem Alien, das die gleiche Mission hat wie er: seinen Heimatplaneten vor der Eiszeit zu schützen. Und hier liegt das Problem: Typisch für Weir beschreibt er in epischen Details, wie viele Millionen Tonnen an Treibstoff es braucht, um von A nach B zu fliegen. Aber der Mensch und das Alien (welches nur Schallwellen „sieht“) lernen in nur drei (!!) Seiten, miteinander zu kommunizieren und werden Freunde. Trotzdem ist es ein gutes Buch, vielleicht gewollt sogar etwas „familienfreundlicher“ als „Der Marsianer“.

Fazit: Manchmal etwas kompliziert, manchmal etwas simpel, aber solide! 8 von 10 Punkten.

Zierfische in Händen von Idioten von Manuel Butt

Ein cooler Titel macht noch kein gutes Buch, aber als ich gesehen habe, dass die Geschichte in den 90ern spielt, dachte ich: Scheiss drauf, das will ich lesen, wir waren ja nicht wirklich Idioten, es war halt unser ganz eigener Stil! Die Story handelt von einem Haufen Teenager, wie wir sie oft und überall in Komödien und Serien antreffen. Tobi, Schulzen und Lisa sind zum Beispiel wie ein Abbild von Cem, Costa und Lena aus „Türkisch für Anfänger“. Zusammen gehen sie auf einen Roadtrip in einem gestohlenen Auto ohne Führerschein oder Geld bis nach England, um die sterbende Mutter eines Freundes zu besuchen. Mit dabei sind im Kofferraum die im Titel erwähnten Zierfische und Blödeleien, Unbeholfenheit und Drama auf jedem Parkplatz und Strand.

Ich wollte das Buch wirklich mögen. Es gab Momente, in denen ich herzhaft gelacht habe, aber das lag vor allem daran, dass ich die 90er erlebt habe. Ich wünschte, solche Bücher würden sich manchmal selbst weniger ernst nehmen. Lasst uns grinsen, lachen und in Erinnerungen schwelgen – gewalttätige Väter und sterbende Mütter sind dafür nicht notwendig. Für alle, die 1980 oder früher geboren sind, ist es dennoch eine schöne Erinnerung.

Fazit: Bon Jovi ftw! 6 von 10 Punkten (FSK 40+)

Kinder des Nebels von Brandon Sanderson

Ich darf es kaum sagen, sonst wird mir mein Ehren-Nerd-Titel aberkannt, aber ich habe es erst dieses Jahr geschafft, das erste Buch der „Mistborn“-Serie zu lesen. Ich hatte es bereits ein Lal letztes Jahr begonnen und nicht fertig gelesen, was das erste Problem aufzeigt: In den ersten 300 Seiten geschieht weniger als in den ersten 7 Minuten von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Doch 600 Seiten später muss ich zugeben, was die Welt schon seit vielen Jahren wusste: Auch ohne Zwerge, Elfen, Orks und Drachen kann man grossartige Fantasy schreiben, und die Story nimmt dann wirklich Fahrt auf! Die Idee, dass Menschen durch den Konsum von Metallen (Allomantie) ihre Umwelt beeinflussen und bekämpfen können, ist äusserst unterhaltsam, und ja, ich werde die restlichen 11 Bücher auch noch lesen. 😉

Fazit: Ich will mehr! 9 von 10 Punkten

In 80 Tagen um die Welt

Das Buch “In 80 Tagen um die Welt” von Jules Verne ist etwas älter als ich – 100 Jahre, um genau zu sein 😉

Es ist eine Geschichte, die eigentlich jeder kennt, und trotzdem habe ich das Abenteuer von Phileas Fogg und seinem Diener Jean Passepartout in diesen Tagen zum ersten Mal gelesen.

Es ist eine enorm rasante Geschichte, und die Protagonisten bereisen die ganze Welt, halten sich jedoch selten länger als ein paar Seiten am gleichen Ort auf. Vielleicht wirkt das Buch dadurch etwas hektisch, aber schließlich ist es ja eine Reise gegen die Zeit!

Wie bei Arsène Lupin vor einigen Wochen ist auch diese Geschichte prima gealtert. Ja, heute wäre das Buch vermutlich um einiges umfangreicher und die Charaktere (inklusive des unsäglichen Detektiv Fix) viel ausführlicher beschrieben, aber wen stört das, wenn das Abenteuer selbst einem Indiana Jones gut stehen würde!?

Die Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags vom letzten Jahr ist ein zusätzlicher Ansporn, das Buch zu lesen. Der Band ist zwar groß geraten, dafür besitzt er neben zahlreichen Illustrationen einige “Goodies” in Form von Faltzetteln mit Infos zu Jules Verne, der Reiseroute oder den Spielregeln des Kartenspiels “Whist“.

Fazit: 9 von 10 Punkten

Mentale Notiz: Nach den Ferien ist es an der Zeit mit Sherlock Holmes & Dr. Watson auf die Verbrecherjagd zu gehen 😉

Der Untergang der Wager

Ich mag historische Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen und den Leser dennoch eine spannende Geschichte erleben lassen. Positiv erwähnenswert ist hier zum Beispiel die Cicero-Trilogie von Robert Harris.

Meine Frau schenkte mir zum Geburtstag “Der Untergang der Wager“. Als #1 New York Times Bestseller mit Vorschusslorbeeren versehen, enttäuscht das Buch die hohen Erwartungen in keiner Weise.

Auf dem Umschlag wird eine Meuterei in den Mittelpunkt gestellt, die jedoch erst am Ende des Buches wirklich an Bedeutung gewinnt. Vielmehr zeigt das Buch die Mühen der Englischen Krone, überhaupt Matrosen für ihre Kriegsmarine anheuern zu können, das Leben an Bord während Stürmen und Orientierungslosigkeit, sowie die erwartete Strandung und das (Über-)leben auf Wagers Island.

Das Buch basiert auf umfangreicher Recherche und es vergeht kaum eine Seite ohne Fussnoten. Der Autor macht es dem Leser jedoch einfach, indem er Querverweise und Erklärungen nahtlos in die Darstellung der Geschehnisse und Herausforderungen, denen sich die Crew vor knapp 300 Jahren stellen musste, einfügt.

Für Liebhaber historischer Romane: 9 von 10 Punkten 😉

Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner

Es gibt in der Literatur auch Klassiker abseits von Göthe oder Shakespeare.

Das erste Buch der Reihe “Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner” ist bald 125 Jahre am Markt, und trotzdem machte es mir Spass den Dieb und Betrüger in einer Welt ohne Internet und Mobiltelefon zu begleiten.

Es lässt sich nicht weg diskutieren, die Geschichten im Buch sind kurz gehalten und (zu) ungeduldig wartet man auf den nächsten genialen Lupin Coup der selten weiter als zwei Seiten entfernt ist. Der Versuch ein ebenso geniales und selbstverliebtes Gegenstück zu Sherlock Holmes zu beschreiben trieft etwas gar stark aus den Seiten. Nobody puts Moriarty in a corner!

Aber ich leg mich fest! Die nur 220 Seiten sind bestens gealtert, und die Ganoven-Ehre war schon lange vor Danny Ocean in besten Händen!

Fazit: 8 von 10 Punkten

The Waldrain Fifty-Five

Spielen ist eine ernste Angelegenheit! So ernst, dass man sie gar nicht ernst genug nehmen kann!

Wer es trotzdem versuchen will ist als bald mit der Frage konfrontiert “Welches Spiel bringen wir heute auf den Tisch?”

Für das Frühjahr 2024 haben wir für unsere spielenden Gäste eine Liste von 55 Brettspielen als Vorschlag in eine ach so ernste Form gebracht 🙂

Das Spiele Menü zum Download hier.

The Waldrain 200 Challenge

Wir haben es geschafft! Im 2023 haben wir alle unsere 200 Brettspiele mindestens einmal gespielt! Jeder agile Scrum Master wäre stolz auf unsere Performance und jeder Projektleiter beneidet unsere administrative Strahlkraft 🙂

Die Projektübersicht 🙂

Ferienlektüre Sommer 2023

Wir waren zwei Wochen auf Kreuzfahrt in Skandinavien, den baltischen Staaten und am Ende im nördlichen Deutschland. Ob auf dem Schiff oder im Zug, wir hatten genug Zeit zum Lesen … hier unsere Leseliste mit Bewertung 🙂

Pendergast 21: The Cabinet of Dr. Leng (Douglas Preston & Lincoln Child)

Aloysius Pendergast ermittelt seit 1995, und bereits wenige Jahre später erhoben Monika und ich die Bücher zu unserer Lieblingsserie. Pendergast ist nicht der typische Sonntag Abend Tatort Kommissar, seine Geschichten erinnern eher an eine Mischung aus Büchern von Michael Crichton und der X-Files Serie. Nicht jedes Buch ist ein Triumpf, und nach der “Diogenes Trilogie” begann der Lack etwas abzublättern. Ich will nicht lügen, das ist bei #21 (Teil 2 von 3 der Leng Story) nicht anders, doch dann kam der letzte Absatz auf der letzten Seite! Ich brauche sofort die Fortsetzung! 8 von 10 Punkte (mit Option auf 10 von 10)

Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen (Torsten Sträter)

Ich liebe seine Texte (man gebe dem Mann Zucker!), auch sein Material für TV Shows oder während der Corona Epidemie. Sträter ist immer gut, basta! 8 von 10 Punkte!

Elternabend: Kein Thriller (Sebastian Fitzek)

Schocker: Ich mag meine Frau lieber als Sebastian Fitzek. Ein Grund dafür mag sein, dass sie mich von der Pflicht erlöste Elternabende unserer Kinder zu besuchen. Das Buch ist für einmal kein Thriller (+1 für den Titel!), und vielleicht mag ich es deshalb ziemlich gut. Es fängt humorvoll so viel ein von der dunklen Seite solcher Events, und liess mich für einen Fitzek oft laut auflachen. Ich hätte mir gewünscht, dass es sich noch mehr von den ernsten Lebensthemen gelöst hätte, aber sehr solide! 8 von 10 Punkte

Wenn sie wüsste (Freida McFadden)

Hübsche, junge und vorbestrafte Frau nimmt einen Job als Hausmädchen an. Auf der anderen Seite die Familie, bestehend aus der hinterhältigen Mutter, dem cholerischen Kind und dem attraktiven und doch verständnisvollen Mann des Hauses. Die Zutaten zu diesem Krimi sind also nur zu klassisch. Es ist kein schlechtes Buch, aber man lernt auch nichts neues kennen. 6 von 10 Punkte

Nie wieder Ferienhaus (Bernd Stelter)

Campen hat man, oder hat man nicht. Ich hab es nicht, trotzdem lese ich gerne humorvolle Bücher über Ferien, auch auf dem Campingplatz. Bernd Stelter erzählt witzig & autobiographisch (?!) vom Erwerb seines Campers, von Ferien im bewölkten Holland und der berühmten Camper-Loyalität. 6 von 10 Punkte.

Bonus: Die Harry Clifton Saga (Jeffrey Archer)

Keine 12 Stunden vor Abfahrt schloss ich den sechsten und letzten Band der Harry Clifton Saga von Jeffrey Archer ab, was die Bücher somit auch noch zur Aufnahme in die Liste der Ferienlektüre qualifiziert. Wie bei Jeffrey Archer üblich treffen in epischer Länge Familien, Freunde und Feinde mit unterschiedlichster Abstammung über mehrere Generationen aufeinander. Anders als bei früheren Werken des Autors geht es nur in kleineren Teilen um den Aufbau eines Imperiums, sondern viel mehr über Intrigen und Politik des 20. Jahrhunderts in England. Klare Empfehlung! 9 von 10 Punkte!