Ferienlektüre Sommer 2026

Wir waren erneut in Griechenland in den Ferien, und wären wir nicht einen ganzen Tag nach Meteora unterwegs gewesen, hätten wir noch mehr gelesen. Trotzdem, es gibt viel zu berichten: 6200 Seiten, verteilt auf 14 Bücher, waren es heuer – und beinahe wäre das Undenkbare passiert: Das neue Buch von Christine Brand mit Malou Löwenberg wäre fast von einer anderen starken Frau von der Spitze verdrängt worden: Luzy Morgenroth in Kälter – aber mehr unten.

Folgend die Liste der Bücher, sortiert nach unseren vergebenen Punkten, mit Beschreibungen jedoch ohne Spoiler:

Vermisst – Der Fall Lucas von Christine Brand

Die letzten zwei Jahre waren die Löwenberg-Krimis von Christine Brand das Mass aller Dinge. Diesmal soll Malou einen verschollenen Bruder und Verbrecher aufspüren, der vor zwei Dekaden in Interlaken bei einem Ritualmord am See zwei Freunde getötet hatte. Brand-typisch verschieben sich die Parameter des Falls laufend, bis am Ende ein völlig neues Gebilde dasteht – und Löwenberg darf zwischendurch auch mal emotional und menschlich reagieren. Einzig die jetzt seit drei Büchern nicht enden wollende Suche nach ihren leiblichen Eltern schlägt mir langsam auf den Magen. Aber hey, nichts, was der heimliche Star des Buches, »Balz von Gunten«, nicht wieder gutmachen würde 🙂

Fazit: Löwenberg-Krimis sind sensationell! 10 von 10 Punkten.

Kälter von Andreas Pflüger

Die Vergangenheit der Provinzpolizistin Luzy Morgenroth ist spektakulär. Im ersten Teil erleben wir ihre Zeit als leitende Personenschützerin für die höchste Regierung in »politisch anspruchsvollen« Zeiten – bis zu einem blutigen Wendepunkt mit offenen Enden. In der Neuzeit, während der deutschen Wiedervereinigung, holt Luzy die Vergangenheit ein, und sie wird wieder zu dem, was sie war: eine Frau, die auch Jason Bourne in Stücke reissen würde. Mit viel Leidenschaft und trockener Action jagt sie einen internationalen Terroristen. Auch wenn die (Spionage-)Politik der späten 80er-Jahre sie (und auch den Leser) etwas ausbremst, ist das grandiose Ende unausweichlich. Gerne mehr von Luzy!

Fazit: Spionage-Thriller im Kalten Krieg mit grandioser Action. 10 von 10 Punkten.

Das Nullpunkt-Artefakt & Das Zeit-Paradox von Joshua Tree

In Nordamerika findet sich ein leuchtendes Artefakt mit unerklärlichem physikalischem Verhalten. China schmeisst seine ganze High-Tech-Spionage in die Gänge, um sich des Artefakts und seiner Geheimnisse zu bemächtigen. Die drei Hauptprotagonisten reisen derweil zurück ins Nazi-Deutschland, im zweiten Buch gar ins Römische Reich, und treffen dabei jeweils auf die denkbar interessantesten Zeitgenossen. Das alles verpackt in grossartige Action zwischen Gut und Böse, immer auf der Kante zum Weltuntergang. Woah, das hat uns wirklich Spass gemacht!

Fazit: James Bond meets High-Tech, Sci-Fi und Zeitreisen. Gewaltige 9 von 10 Punkten!

Das Geheimnis von Murano & Das Leuchten von Murano von Jessica Amankona

Entgegen den meisten Büchern auf dieser Liste bieten die »Murano-Bücher« eine komplett andere Leseerfahrung. Die beiden sind der zweite und dritte Teil der Trilogie um die Glasbläserfamilie Volpato im Murano des späten 19. Jahrhunderts. Gemächlich und detailverliebt erleben wir den Weg von Flavia und Renata durch Intrigen, Liebe und ihren Kampf um Anerkennung – für ihre Familien und nicht zuletzt für ihr Geschlecht. Es gibt Bücher, die sind einfach schön zu lesen, und die gesamte Volpato-Trilogie ist genau das.

Fazit: Am Ende wird immer alles gut! 8 von 10 Punkten.

Das Vermächtnis von John Grisham

Scheinbar hat jede Stadt Amerikas, wie klein sie auch sein mag, einen Haufen Anwälte, und die streiten sich dann unter anderem um die Testamente alter, reicher Einwohner. So weit, so Grisham. Blöd nur, wenn die Klientin vergiftet wird und der Anwalt als Begünstigter zum Hauptverdächtigen wird, vor Gericht kommt und nur verlieren kann. Ich mochte und mag an den Grisham-Büchern immer das Recherchieren, die Suche nach dem entscheidenden Hinweis, der zur Gerechtigkeit führt. Das kam auch hier nicht zu kurz, wenn auch das Ende etwas schnell kam.

Fazit: Ein typischer Grisham. Gute 7 von 10 Punkten.

The Secret of Secrets von Dan Brown

Was war ich vor rund 20 Jahren begeistert von Robert Langdons erstem Abenteuer in »Angels and Demons« (Illuminati). Dan Brown traf damals genau meinen Nerd-Nerv zwischen Technik im CERN und Verschwörung im Vatikan. Mittlerweile sind wir beim sechsten Langdon-Roman angekommen, und ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Die Location (diesmal Prag) ist natürlich wunderbar gewählt und beschrieben, und auch dem Anspruch an eine epische Geschichte wird Genüge getan. Für mich versteckte sich in den 800 Seiten voller langer Gespräche und Beschreibungen aber nur ein einziger grosser »Woah Moment«.

Fazit: Langdon ist immer noch gut, aber nicht mein Lieblingsbuch in der Serie. 7 von 10 Punkten.

Drei Frauen im R4 von Christine Weiner

Drei Frauen in meinem Alter machen noch einmal auf 80er und fahren in einem Renault 4 von Deutschland nach Italien. Ganz ohne Geld, Handy oder GPS – dafür mit Tonbandkassetten und jeder Menge Komödien-Chaos im Gepäck. Natürlich kommt die Geschichte nicht ganz ohne ernstes Drama um die Ecke, aber ich habe mehr als einmal laut gelacht.

Fazit: Besser als so mancher andere Versuch, die Nostalgie der 80er zu befeuern. Solide 7 von 10 Punkten.

In tiefster Nacht von Harlan Coben

Ein junger amerikanischer Student tötet unter Drogeneinfluss in Spanien eine junge Frau. 20 Jahre später arbeitet er als privater Ermittler – und trifft vermeintlich auf sein damaliges Opfer. Ein Mandat bei einer reichen Familie, die die Entführung ihrer Tochter beleuchten möchte, überschneidet sich mehr und mehr mit seiner eigenen Geschichte. Das war spannend und am Ende auch überraschend.

Fazit: Solider Krimi mit interessantem Plot. 6 von 10 Punkten.

Dungeon Crawler Carl von Matt Dinniman

Kein Buch ist aktuell so »hot« in der Nerd-Szene wie Dungeon Crawler Carl. Die Welt wird von Ausserirdischen zerstört, und die wenigen Überlebenden finden sich in einer World-of-Warcraft-ähnlichen Welt wieder – wo sie sich, ganz dem Vorbild entsprechend, hochleveln, um immer stärkere Monster und Dungeons in Angriff zu nehmen. Das Ganze ist eine intergalaktische Unterhaltung mit Zuschauern, und den Gewinnern winken Reichtum und Freiheit. Meine anfängliche Freude an den zur Realität gewordenen Game-Mechanismen stumpfte allerdings bald ab – zu linear, zu stark an PC-Games angelehnt, zu abgedreht. Ich bin noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzungen überhaupt lesen werde. Wer als Nerd die »klischeetriefende« Verschmelzung von virtueller und realer Welt erleben möchte, ist bei »Ready Player One« deutlich besser aufgehoben.

Fazit: Ich wollte es gern haben, aber nur dumpfe 6 von 10 Punkten.

Messias von Andreas Brandhorst

Aus dem Nichts erscheint ein selbst ernannter Messias auf der Weltbühne, vollbringt (scheinbar) Wunder und findet so eine ungeheure weltweite Anhängerschaft. Der zweite Protagonist ist ein Berufsmörder, der wenig überraschend den Wunderknaben umbringen soll. Zusammen mit der restlichen Welt- und Religionspolitik entsteht daraus eine wirklich interessante Geschichte. Es hätte mir jedoch sehr geholfen, wenn der Klappentext ansatzweise darauf hingewiesen hätte, dass es sich um Science-Fiction handelt – ich wollte das lange nicht wahrhaben trotz des Autors.

Fazit: Eigentlich sehr interessant, wenn man weiss, worauf man sich einlässt. 6 von 10 Punkten.

REM von Annika Strauss mit Sebastian Fitzek

Da war er, unser diesjähriger Sommer-Fitzek, geschrieben von Annika Strauss. Geforscht wurde an Träumen von Schlaflosen! Lebendig wurden sie, die Träume! Durch die Gänge fliegt der Horror, den Guten zum Schutz, den Bösen zum Trutz. Gott sei Dank nur in einem verfallenen alten Hotel, abgelegen in den dunklen Wäldern, wo dich niemand schreien hört! Näh …

Fazit: Erinnerte mich zu stark an die Splatter-Horrorbücher der 80er. Dürftige 5 von 10 Punkten.

Eine Welt ohne Männer von Konstantin Wagner

Es herrscht wieder Pandemie! Bloss ist das Virus diesmal wirklich aggressiv und tötet nur die Männer der Welt. Interessanter Plot, der ziemlich bald in die Kerbe »ist doch eigentlich ganz gut so« schlägt. Ohne Männer gibt es keine Kriege mehr, einen verringerten CO2-Ausstoss (ernsthaft!) und endlich eine Päpstin! So geht das Buch dahin, rafft 4 Milliarden Männer hinweg – ohne klare Zeitlinie, mit Widersprüchen und einem Berg offener Fragen – sagt meine Frau 🙂

Fazit: Was zum Teufel haben wir da gelesen?! 4 von 10 Punkten.

Ferienlektüre Sommer 2025

Es hat seine Vorteile, wenn Meer, Pool und Speisesaal nur einen Steinwurf von der eigenen Hotelzimmer-Terrasse entfernt liegen – man hat viel Zeit zum Lesen!

Rekordverdächtige 5.043 Seiten, verteilt auf 11 Bücher, flimmerten über meinen Kindle – und fast alle waren empfehlenswert.

Im Folgenden findet sich die vollständige Liste – mit sanfter Spoilerwarnung.

Vermisst – Der Fall Emily von Christine Brand
Was habe ich im letzten Jahr den Vorgänger „Anna“ abgefeiert! Im neuen Buch ermittelt Malou Löwenberg mittlerweile als selbstständige Ermittlerin in einem nie aufgeklärten Fall einer Kindesentführung. Im Auftrag der verzweifelten Mutter verfolgt sie alte Spuren – von Bern bis Paris – und einmal mehr zündet Christine Brand ihre stärkste Waffe: Je länger die Geschichte dauert, desto undurchschaubarer wird der Fall. Das macht das Buch extrem spannend. Aber ist es auch so gut wie sein Vorgänger? Ich bin mir nicht 100% sicher – aus zwei Gründen: Erstens ist Kommissar Zufall mit von der Partie, und zweitens bin ich mit unfair hohen Erwartungen an das Buch herangegangen.

Fazit: Keine Frage – erneut das beste Buch in dieser Liste. Und erst das Ende – Damn! 10 von 10 Punkten.

Freiheit von Angela Merkel
Vor 20 Jahren dachte ich wie Joschka: I am not convinced! Zwei Dekaden später hat mich „Mutti“ politisch vielleicht nicht zu 100 % überzeugt – aber ihre Autobiografie auf jeden Fall!

Ihr Leben als Pfarrerstochter, ihr von Vorsicht geprägtes Aufwachsen im DDR-Kontrollstaat, die Ausbildung zur Physikerin und die Jahre als junge, arbeitende Frau bis zum Mauerfall – all das ist sehr spannend zu lesen.

Der zweite Teil – ihre Jahre als Politikerin und später Kanzlerin – ist deutlich anspruchsvoller. Wie in anderen politischen Autobiografien beschreibt sie ihre Arbeit detailliert und nahezu lückenlos. Das ist bei manchen Themen sehr interessant, etwa bei der Eurokrise oder dem Umgang mit Putin, anderorts muss man als Leser etwas mehr „investieren“. Toll finde ich wie sie offen Ihre jeweilige Gefühlslage sowohl gegenüber den jeweiligen Themen wie auch involvierten Menschen beschreibt.

Fazit: Eine kluge, hochinteressante Zeitzeugin an vorderster Front schreibt ihre Biografie. 10 von 10 Punkten..

Der Gott des Waldes von Liz Moore
In den 1960er-Jahren verschwindet der jüngste Enkel einer wohlhabenden Familiendynastie in den Wäldern rund um ihr Anwesen – ein Ort, der zugleich ein renommiertes, konservatives Ferienlager für Kinder sowie Wohnsitz und Arbeitsplatz langjähriger Bediensteter ist. Der Fall wird nie vollständig aufgeklärt, zumal auch der vermeintliche Täter ums Leben kommt. Eine Dekade später verschwindet die Schwester des Jungen – unter nahezu identischen Umständen.

Neben den aktuellen Ermittlungen wirft das Buch in Rückblenden Licht auf das Verschwinden des Jungen und beleuchtet dabei auch den Familienclan und andere Schlüsselpersonen über einige Jahrzehnte hinweg. Das Ende ist unerwartet.

Fazit: Viel Tiefgang und weit mehr als ein gewöhnlicher Krimi! 8 von 10 Punkten.

Der kleine Laden des Herrn Takarada von Kenji Ueda
Es gibt Bücher, die liest man einfach gern, weil sie schön zu lesen sind. In fünf unterschiedlichen Geschichten berät und begleitet Herr Takarada die Kundinnen und Kunden seines kleinen Schreibwarenladens in Tokio – und das weit über die Wahl der richtigen Tinte oder des passenden Briefpapiers hinaus.

Fazit: Nicht alle fünf Geschichten haben mir gleich gut gefallen, aber ein besonderes Buch. 8 von 10 Punkten.

Das Vermächtnis von Murano von Jessica Amankona
Der Roman begleitet Orietta Volpato im Murano und Venedig des späten 19. Jahrhunderts – und ihren Versuch, den traditionsreichen Glasbläserbetrieb sowie die Ehre ihrer Familie zu retten. Gleichzeitig kämpft sie darum, als Frau im elitären Lesezirkel Venedigs Fuss zu fassen. Drama, Liebe und spannende Intrigen in grosser Dichte lassen über die manchmal langatmigen Ausführungen hinweg sehen. Es gibt bereits einen zweiten Teil.

Fazit: Hoffentlich nur der Auftakt zu einer langen Familiensaga. 8 von 10 Punkten.

Krieger des Feuers von Brandon Sanderson
Der zweite Teil der Nebelgeborenen-Saga enttäuscht nicht. Vin ist als Nebelgeborene noch mächtiger geworden, und ihr Partner Elant Wager kämpft als frischgekrönter König darum, Recht und Ordnung im Reich zu wahren. Das Buch liest sich wie der klassische mittlere Teil einer Fantasy-Trilogie: Vieles wird in Stellung gebracht für den finalen Akt – ich bin gespannt!

Fazit: Aktuell die beste Fantasy am Markt, Basta. 8 von 10 Punkten

Staying Alive von Eva Mirasol
Das Buch liest sich wie das Drehbuch einer Krankenhausserie – erzählt aus der Sicht einer jungen Ärztin. In kurzen Episoden wechseln sich medizinischer Alltag, Freundschaften und sogar Herzschmerz ständig ab. Vergleicht man das Buch mit bekannten TV-Serien, ist es weniger dreckig als „Krank Berlin“, medizinisch realistisch aber nicht so exklusiv wie „House“ und deutlich weniger schnulzig als „Jede andere Krankenhausserie“.

Fazit: Realistisch, witzig und bisweilen bissig – und das hat mir Spass gemacht. 7 von 10 Punkten.

Der Fall des Präsidenten von Marc Elsberg
Ein ehemaliger US-Präsident wird in Athen im Auftrag des Internationalen Gerichtshofs wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen im nahen Osten festgenommen – ein Schelm, wer dabei an einen realen Vorgänger aus Texas denkt. Es entwickelt sich ein Tauziehen zwischen der aktuellen US-Regierung und den juristischen Vertretern Europas wie mit der Auslieferung nach Den Haag umzugehen ist. Gekämpft wird mit allen Mitteln, die das politische Parkett offen oder auch im Dunkeln zu bieten hat.

Fazit: Ein richtiger Politthriller – und dazu ein überraschend spannender. 7 von 10 Punkten.

Horror Date von Sebastian Fitzek
Kein Thriller (obwohl man beim Dating durchaus auf einige Psychos trifft) ist der Untertitel – und ich muss sagen, mir gefiel dieses Buch besser als der „Vorgänger“ Elternabend. Zwei todkranke Menschen, die sich zu einem Date verabreden – das klingt zunächst makaber. Doch die sich häufenden Verwechslungen, Missverständnisse und der gelungene Slapstick brachten mich mehr als einmal zum Lachen.

Fazit: Es gibt deutsche Filmkomödien die waren mit weniger erfolgreich. 7 von 10 Punkten.

Schnee von Yrsa Sigurdardottir
Im isländischen Winter erfrieren fünf Wanderer, und ein Einzelgänger in einer abgelegenen NATO-Radarstation wird mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert. Die Geschichte springt zeitlich zwischen den Ereignissen und den Ermittlungen hin und her – und man fragt sich unweigerlich: Ist das ein Krimi oder doch eine Horrorgeschichte? Ehrlich gesagt, ich bin mir immer noch nicht sicher.

Fazit: Spannend ist es auf jeden Fall – und ich fand die Auflösung (fast) zufriedenstellend. 6 von 10 Punkten.

Suche Traummann, biete Nachbarn von Svenja Lassen
Das Buch besteht für mich aus zwei Teilen: Eine strukturierte, beziehungssuchende Eventorganisatorin trifft auf ihren neuen Nachbarn – einen ungehobelten, selbstverliebten Lebemann. Beide folgen ihren eigenen, selbst auferlegten Verhaltensregeln, während sie sich im täglichen Leben unterstützen – und kommen sich dabei (oh Wunder) näher. Dieser erste Teil ist wirklich unterhaltsam zu lesen.

Im zweiten Teil verlieben sich die beiden – aufwändig und unbeholfen. So fühlt sich das auch beim Lesen an.

Fazit: Ich bin unschlüssig. Komödie? Liebesgeschichte? Wahrscheinlich beides. 6 von 10 Punkten.

Madame Hemingway

Letzte Woche feierten wir den Geburtstag meiner Frau in Paris. Während der Reise im TGV wollte ich ein Buch lesen, das in Paris spielt. Ich mag historisch akkurate Romane und Biografien – da kam Madame Hemingway – The Paris Wife von Paula McLain genau richtig.

Ein Roman über das Leben von Hadley Richardson, der ersten Frau Ernest Hemingways, klingt vielleicht nicht auf Anhieb spannend. Aber die Geschichte spielt in den 1920er Jahren – zu jener Zeit, als sich auch Scott und Zelda Fitzgerald oder Pablo Picasso mit Hemingways bei Gertrude Stein zum Absinth trafen.

Das Buch beschreibt die Stadt, das Leben und die Künstler, die dort lebten, auf wunderbare Weise.

Wer mal etwas anderes lesen will: 8 von 10 Punkten.

Game Night!

Das Warten hat sich gelohnt! Unser neuer Spieltisch ist angekommen, und hebt das Spielgefühl in bisher unbekannte Höhen! Eingeweiht wurde das hübsche Möbelstück mit einer Partie Schwingenschlag 🙂

Gebaut und geliefert wurde der Tisch nach unseren Vorgaben von der Schreinerei Spandau in Neckartenzlingen bei Stuttgart die sich auf die Herstellung von Spieltischen spezialisiert hat.

Besucht ihre Webseite unter https://www.meinspieltisch.de/

Ferienlektüre Sommer 2024

Kindle Cover

Wir hatten zwei wunderbare Wochen „ETBL“ (Essen-Trinken-Baden-Lesen) Ferien in unserem Lieblings Agriturismo in der Nähe von Massa Marittima.

Wie auf dem Bild zu erkennen war es auch für den eReader meiner Frau eine Rückkehr 🙂

Die Auswahl der Bücher war heuer riesig und wir haben viele davon gelesen. Nicht ganz alle Bücher konnten restlos überzeugen.

Hier unsere diesjährige Leseliste mit sanfter Spoiler Warnung (und https Support für Pesche).

Vermisst – Der Fall Anna von Christine Brand

  • Eine Handlung mitten in der Stadt Bern, ohne die Lokation wie ein Reiseführer zu zelebrieren: Check
  • Eine taffe Ermittlerin, die Stärken und Schwächen kennt: Check
  • Ein seit 30 Jahren ungelöster Fall mit so mysteriösen Parametern, dass er sich im Buch überhaupt erst zu einem solchen entfaltet: Check
  • Ständig wechselnde Erkenntnisse und Fährten für Ermittler und Leser: Check
  • All das so spannend zusammengefasst, dass ich mich bis 01:30 Uhr morgens zum Ende durchlesen musste: Check

Fazit: Wer heuer nur ein Buch lesen will, dem empfehle ich dieses! 10 von 10 Punkten (mit Sternchen!)

Die Entführung von John Grisham

Wir lesen Grisham seit fast 30 Jahren und der Mann schreibt viel. Kaum ein Buch ist so berühmt wie „Die Firma“ und dass dieses Jahr eine Fortsetzung veröffentlicht wurde, erhebt das Buch zur Pflichtlektüre. Beim Lesen der neuen Abenteuer von Mitch & Abby McDeere blättert man die Seiten etwas verwundert um. Anstatt epischer Rechtsbelehrungen und Anwalts- sowie Kanzleipolitik findet man sich im gefährlichen Libyen der Gaddafi-Jahre wieder. Man könnte fast meinen, man hält einen neuen Jack Ryan Roman von Tom Clancy in den Händen.

Fazit: Kein schlechtes Buch, aber nicht der beste Grisham aller Zeiten. 7 von 10 Punkten

Die invasive Art von Manuel Schmitt

Knapp 50 Jahre in der Zukunft verschwinden die Meerestiere aus den Weltmeeren, und die Forschung steht vor einem Rätsel: Wo sind die Tiere geblieben? Eine durchaus interessante Science-Fiction Geschichte, im Stil der alten Michael Crichton Bücher. Doch kaum beginnt die Handlung Fahrt aufzunehmen und die Charaktere zeigen auch endlich wirklich etwas Charakter, ist die Geschichte gefühlt leider viel zu früh fertig, mit einem heftigen Ende.

Fazit: Der Epilog zieht die Punkte an Land. 7 von 10 Punkten

Views von Mark Uwe Kling

Ein Video auf Social Media zeigt den Missbrauch eines deutschen Mädchens durch Ausländer, woraufhin rechte politische Gruppen zur Selbstjustiz aufrufen und der Bundestag gestürmt wird. Es ist erschreckend, dies zu schreiben, doch zum Glück stammt diese Geschichte nicht aus der Zeitung von letzter Woche, sondern aus einem neuen Krimi, der in Berlin spielt. Mir gefällt die Protagonistin Yasira Saad sehr (auch wenn ihre Abstammung in der Gesichte auch nötige Klischees bedient), und ich hoffe nicht nur auf eine Fortsetzung der Geschichte, die ein etwas abruptes Ende findet, sondern am liebsten auf eine ganze Buchreihe.

Fazit: Das Ende ist etwas unbefriedigend, wenn nicht offen. 6 von 10 Punkten

Der Vorfall von Joshua Tree

Die Raumstation ISS, erweitert durch ein privat finanziertes und geheimes Forschungsmodul, muss evakuiert werden. Eine Amerikanerin und ein Deutscher überleben die Rettung, während ein russischer Kosmonaut ums Leben kommt. Die Protagonistin Amina Young, Psychologin bei der ESA, soll die in Moskau gestrandeten Astronauten befragen und die Vorgänge aufklären, bevor die ISS abstürzt und die Welt in einen neuen Kalten Krieg gerät. Im Buch geschieht dies durch (sehr) ausführliche Gespräche, Aminas Gedanken und Rückblicke aus Sicht der Astronauten. Fans von „For All Mankind“ werden die dort vorgestellten Machtspiele der internationalen Raumfahrt wiedererkennen. Mir gefiel besonders das Ende.

Fazit: Für Fans von „Nah-Orbit“ Science Fiction empfehlenswert. 7 von 10 Punkten

Der Astronaut von Andy Weir

Der Astronaut Grace erwacht auf einem Raumschiff ohne Erinnerung daran, wer er ist oder warum er überhaupt dort ist. Wie bei „Der Marsianer“ beginnt er nun, jedem Problem sein wissenschaftliches Know-how entgegenzuwerfen. Soweit so gut, das brachte Mark Watney ja auch vom Mars zur Erde zurück. Doch dann kommen Erinnerungsfetzen zurück, und die Fiction übersteigt die Science. Die Energie der Sonne wird von kleinsten fremdartigen Wesen aufgefressen, und die Menschen entsenden ein Team (nur er überlebt) zu einem der wenigen Sterne, die nicht befallen sind. Dort trifft Grace schon früh im Buch auf ein weiteres Raumschiff mit einem Alien, das die gleiche Mission hat wie er: seinen Heimatplaneten vor der Eiszeit zu schützen. Und hier liegt das Problem: Typisch für Weir beschreibt er in epischen Details, wie viele Millionen Tonnen an Treibstoff es braucht, um von A nach B zu fliegen. Aber der Mensch und das Alien (welches nur Schallwellen „sieht“) lernen in nur drei (!!) Seiten, miteinander zu kommunizieren und werden Freunde. Trotzdem ist es ein gutes Buch, vielleicht gewollt sogar etwas „familienfreundlicher“ als „Der Marsianer“.

Fazit: Manchmal etwas kompliziert, manchmal etwas simpel, aber solide! 8 von 10 Punkten.

Zierfische in Händen von Idioten von Manuel Butt

Ein cooler Titel macht noch kein gutes Buch, aber als ich gesehen habe, dass die Geschichte in den 90ern spielt, dachte ich: Scheiss drauf, das will ich lesen, wir waren ja nicht wirklich Idioten, es war halt unser ganz eigener Stil! Die Story handelt von einem Haufen Teenager, wie wir sie oft und überall in Komödien und Serien antreffen. Tobi, Schulzen und Lisa sind zum Beispiel wie ein Abbild von Cem, Costa und Lena aus „Türkisch für Anfänger“. Zusammen gehen sie auf einen Roadtrip in einem gestohlenen Auto ohne Führerschein oder Geld bis nach England, um die sterbende Mutter eines Freundes zu besuchen. Mit dabei sind im Kofferraum die im Titel erwähnten Zierfische und Blödeleien, Unbeholfenheit und Drama auf jedem Parkplatz und Strand.

Ich wollte das Buch wirklich mögen. Es gab Momente, in denen ich herzhaft gelacht habe, aber das lag vor allem daran, dass ich die 90er erlebt habe. Ich wünschte, solche Bücher würden sich manchmal selbst weniger ernst nehmen. Lasst uns grinsen, lachen und in Erinnerungen schwelgen – gewalttätige Väter und sterbende Mütter sind dafür nicht notwendig. Für alle, die 1980 oder früher geboren sind, ist es dennoch eine schöne Erinnerung.

Fazit: Bon Jovi ftw! 6 von 10 Punkten (FSK 40+)

Kinder des Nebels von Brandon Sanderson

Ich darf es kaum sagen, sonst wird mir mein Ehren-Nerd-Titel aberkannt, aber ich habe es erst dieses Jahr geschafft, das erste Buch der „Mistborn“-Serie zu lesen. Ich hatte es bereits ein Lal letztes Jahr begonnen und nicht fertig gelesen, was das erste Problem aufzeigt: In den ersten 300 Seiten geschieht weniger als in den ersten 7 Minuten von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Doch 600 Seiten später muss ich zugeben, was die Welt schon seit vielen Jahren wusste: Auch ohne Zwerge, Elfen, Orks und Drachen kann man grossartige Fantasy schreiben, und die Story nimmt dann wirklich Fahrt auf! Die Idee, dass Menschen durch den Konsum von Metallen (Allomantie) ihre Umwelt beeinflussen und bekämpfen können, ist äusserst unterhaltsam, und ja, ich werde die restlichen 11 Bücher auch noch lesen. 😉

Fazit: Ich will mehr! 9 von 10 Punkten

In 80 Tagen um die Welt

Das Buch „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne ist etwas älter als ich – 100 Jahre, um genau zu sein 😉

Es ist eine Geschichte, die eigentlich jeder kennt, und trotzdem habe ich das Abenteuer von Phileas Fogg und seinem Diener Jean Passepartout in diesen Tagen zum ersten Mal gelesen.

Es ist eine enorm rasante Geschichte, und die Protagonisten bereisen die ganze Welt, halten sich jedoch selten länger als ein paar Seiten am gleichen Ort auf. Vielleicht wirkt das Buch dadurch etwas hektisch, aber schließlich ist es ja eine Reise gegen die Zeit!

Wie bei Arsène Lupin vor einigen Wochen ist auch diese Geschichte prima gealtert. Ja, heute wäre das Buch vermutlich um einiges umfangreicher und die Charaktere (inklusive des unsäglichen Detektiv Fix) viel ausführlicher beschrieben, aber wen stört das, wenn das Abenteuer selbst einem Indiana Jones gut stehen würde!?

Die Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags vom letzten Jahr ist ein zusätzlicher Ansporn, das Buch zu lesen. Der Band ist zwar groß geraten, dafür besitzt er neben zahlreichen Illustrationen einige „Goodies“ in Form von Faltzetteln mit Infos zu Jules Verne, der Reiseroute oder den Spielregeln des Kartenspiels „Whist„.

Fazit: 9 von 10 Punkten

Mentale Notiz: Nach den Ferien ist es an der Zeit mit Sherlock Holmes & Dr. Watson auf die Verbrecherjagd zu gehen 😉

Der Untergang der Wager

Ich mag historische Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen und den Leser dennoch eine spannende Geschichte erleben lassen. Positiv erwähnenswert ist hier zum Beispiel die Cicero-Trilogie von Robert Harris.

Meine Frau schenkte mir zum Geburtstag „Der Untergang der Wager„. Als #1 New York Times Bestseller mit Vorschusslorbeeren versehen, enttäuscht das Buch die hohen Erwartungen in keiner Weise.

Auf dem Umschlag wird eine Meuterei in den Mittelpunkt gestellt, die jedoch erst am Ende des Buches wirklich an Bedeutung gewinnt. Vielmehr zeigt das Buch die Mühen der Englischen Krone, überhaupt Matrosen für ihre Kriegsmarine anheuern zu können, das Leben an Bord während Stürmen und Orientierungslosigkeit, sowie die erwartete Strandung und das (Über-)leben auf Wagers Island.

Das Buch basiert auf umfangreicher Recherche und es vergeht kaum eine Seite ohne Fussnoten. Der Autor macht es dem Leser jedoch einfach, indem er Querverweise und Erklärungen nahtlos in die Darstellung der Geschehnisse und Herausforderungen, denen sich die Crew vor knapp 300 Jahren stellen musste, einfügt.

Für Liebhaber historischer Romane: 9 von 10 Punkten 😉

Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner

Es gibt in der Literatur auch Klassiker abseits von Göthe oder Shakespeare.

Das erste Buch der Reihe „Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner“ ist bald 125 Jahre am Markt, und trotzdem machte es mir Spass den Dieb und Betrüger in einer Welt ohne Internet und Mobiltelefon zu begleiten.

Es lässt sich nicht weg diskutieren, die Geschichten im Buch sind kurz gehalten und (zu) ungeduldig wartet man auf den nächsten genialen Lupin Coup der selten weiter als zwei Seiten entfernt ist. Der Versuch ein ebenso geniales und selbstverliebtes Gegenstück zu Sherlock Holmes zu beschreiben trieft etwas gar stark aus den Seiten. Nobody puts Moriarty in a corner!

Aber ich leg mich fest! Die nur 220 Seiten sind bestens gealtert, und die Ganoven-Ehre war schon lange vor Danny Ocean in besten Händen!

Fazit: 8 von 10 Punkten