
Wir waren erneut in Griechenland in den Ferien, und wären wir nicht einen ganzen Tag nach Meteora unterwegs gewesen, hätten wir noch mehr gelesen. Trotzdem, es gibt viel zu berichten: 6200 Seiten, verteilt auf 14 Bücher, waren es heuer – und beinahe wäre das Undenkbare passiert: Das neue Buch von Christine Brand mit Malou Löwenberg wäre fast von einer anderen starken Frau von der Spitze verdrängt worden: Luzy Morgenroth in Kälter – aber mehr unten.
Folgend die Liste der Bücher, sortiert nach unseren vergebenen Punkten, mit Beschreibungen jedoch ohne Spoiler:
Vermisst – Der Fall Lucas von Christine Brand
Die letzten zwei Jahre waren die Löwenberg-Krimis von Christine Brand das Mass aller Dinge. Diesmal soll Malou einen verschollenen Bruder und Verbrecher aufspüren, der vor zwei Dekaden in Interlaken bei einem Ritualmord am See zwei Freunde getötet hatte. Brand-typisch verschieben sich die Parameter des Falls laufend, bis am Ende ein völlig neues Gebilde dasteht – und Löwenberg darf zwischendurch auch mal emotional und menschlich reagieren. Einzig die jetzt seit drei Büchern nicht enden wollende Suche nach ihren leiblichen Eltern schlägt mir langsam auf den Magen. Aber hey, nichts, was der heimliche Star des Buches, »Balz von Gunten«, nicht wieder gutmachen würde 🙂
Fazit: Löwenberg-Krimis sind sensationell! 10 von 10 Punkten.
Kälter von Andreas Pflüger
Die Vergangenheit der Provinzpolizistin Luzy Morgenroth ist spektakulär. Im ersten Teil erleben wir ihre Zeit als leitende Personenschützerin für die höchste Regierung in »politisch anspruchsvollen« Zeiten – bis zu einem blutigen Wendepunkt mit offenen Enden. In der Neuzeit, während der deutschen Wiedervereinigung, holt Luzy die Vergangenheit ein, und sie wird wieder zu dem, was sie war: eine Frau, die auch Jason Bourne in Stücke reissen würde. Mit viel Leidenschaft und trockener Action jagt sie einen internationalen Terroristen. Auch wenn die (Spionage-)Politik der späten 80er-Jahre sie (und auch den Leser) etwas ausbremst, ist das grandiose Ende unausweichlich. Gerne mehr von Luzy!
Fazit: Spionage-Thriller im Kalten Krieg mit grandioser Action. 10 von 10 Punkten.
Das Nullpunkt-Artefakt & Das Zeit-Paradox von Joshua Tree
In Nordamerika findet sich ein leuchtendes Artefakt mit unerklärlichem physikalischem Verhalten. China schmeisst seine ganze High-Tech-Spionage in die Gänge, um sich des Artefakts und seiner Geheimnisse zu bemächtigen. Die drei Hauptprotagonisten reisen derweil zurück ins Nazi-Deutschland, im zweiten Buch gar ins Römische Reich, und treffen dabei jeweils auf die denkbar interessantesten Zeitgenossen. Das alles verpackt in grossartige Action zwischen Gut und Böse, immer auf der Kante zum Weltuntergang. Woah, das hat uns wirklich Spass gemacht!
Fazit: James Bond meets High-Tech, Sci-Fi und Zeitreisen. Gewaltige 9 von 10 Punkten!
Das Geheimnis von Murano & Das Leuchten von Murano von Jessica Amankona
Entgegen den meisten Büchern auf dieser Liste bieten die »Murano-Bücher« eine komplett andere Leseerfahrung. Die beiden sind der zweite und dritte Teil der Trilogie um die Glasbläserfamilie Volpato im Murano des späten 19. Jahrhunderts. Gemächlich und detailverliebt erleben wir den Weg von Flavia und Renata durch Intrigen, Liebe und ihren Kampf um Anerkennung – für ihre Familien und nicht zuletzt für ihr Geschlecht. Es gibt Bücher, die sind einfach schön zu lesen, und die gesamte Volpato-Trilogie ist genau das.
Fazit: Am Ende wird immer alles gut! 8 von 10 Punkten.
Das Vermächtnis von John Grisham
Scheinbar hat jede Stadt Amerikas, wie klein sie auch sein mag, einen Haufen Anwälte, und die streiten sich dann unter anderem um die Testamente alter, reicher Einwohner. So weit, so Grisham. Blöd nur, wenn die Klientin vergiftet wird und der Anwalt als Begünstigter zum Hauptverdächtigen wird, vor Gericht kommt und nur verlieren kann. Ich mochte und mag an den Grisham-Büchern immer das Recherchieren, die Suche nach dem entscheidenden Hinweis, der zur Gerechtigkeit führt. Das kam auch hier nicht zu kurz, wenn auch das Ende etwas schnell kam.
Fazit: Ein typischer Grisham. Gute 7 von 10 Punkten.
The Secret of Secrets von Dan Brown
Was war ich vor rund 20 Jahren begeistert von Robert Langdons erstem Abenteuer in »Angels and Demons« (Illuminati). Dan Brown traf damals genau meinen Nerd-Nerv zwischen Technik im CERN und Verschwörung im Vatikan. Mittlerweile sind wir beim sechsten Langdon-Roman angekommen, und ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Die Location (diesmal Prag) ist natürlich wunderbar gewählt und beschrieben, und auch dem Anspruch an eine epische Geschichte wird Genüge getan. Für mich versteckte sich in den 800 Seiten voller langer Gespräche und Beschreibungen aber nur ein einziger grosser »Woah Moment«.
Fazit: Langdon ist immer noch gut, aber nicht mein Lieblingsbuch in der Serie. 7 von 10 Punkten.
Drei Frauen im R4 von Christine Weiner
Drei Frauen in meinem Alter machen noch einmal auf 80er und fahren in einem Renault 4 von Deutschland nach Italien. Ganz ohne Geld, Handy oder GPS – dafür mit Tonbandkassetten und jeder Menge Komödien-Chaos im Gepäck. Natürlich kommt die Geschichte nicht ganz ohne ernstes Drama um die Ecke, aber ich habe mehr als einmal laut gelacht.
Fazit: Besser als so mancher andere Versuch, die Nostalgie der 80er zu befeuern. Solide 7 von 10 Punkten.
In tiefster Nacht von Harlan Coben
Ein junger amerikanischer Student tötet unter Drogeneinfluss in Spanien eine junge Frau. 20 Jahre später arbeitet er als privater Ermittler – und trifft vermeintlich auf sein damaliges Opfer. Ein Mandat bei einer reichen Familie, die die Entführung ihrer Tochter beleuchten möchte, überschneidet sich mehr und mehr mit seiner eigenen Geschichte. Das war spannend und am Ende auch überraschend.
Fazit: Solider Krimi mit interessantem Plot. 6 von 10 Punkten.
Dungeon Crawler Carl von Matt Dinniman
Kein Buch ist aktuell so »hot« in der Nerd-Szene wie Dungeon Crawler Carl. Die Welt wird von Ausserirdischen zerstört, und die wenigen Überlebenden finden sich in einer World-of-Warcraft-ähnlichen Welt wieder – wo sie sich, ganz dem Vorbild entsprechend, hochleveln, um immer stärkere Monster und Dungeons in Angriff zu nehmen. Das Ganze ist eine intergalaktische Unterhaltung mit Zuschauern, und den Gewinnern winken Reichtum und Freiheit. Meine anfängliche Freude an den zur Realität gewordenen Game-Mechanismen stumpfte allerdings bald ab – zu linear, zu stark an PC-Games angelehnt, zu abgedreht. Ich bin noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzungen überhaupt lesen werde. Wer als Nerd die »klischeetriefende« Verschmelzung von virtueller und realer Welt erleben möchte, ist bei »Ready Player One« deutlich besser aufgehoben.
Fazit: Ich wollte es gern haben, aber nur dumpfe 6 von 10 Punkten.
Messias von Andreas Brandhorst
Aus dem Nichts erscheint ein selbst ernannter Messias auf der Weltbühne, vollbringt (scheinbar) Wunder und findet so eine ungeheure weltweite Anhängerschaft. Der zweite Protagonist ist ein Berufsmörder, der wenig überraschend den Wunderknaben umbringen soll. Zusammen mit der restlichen Welt- und Religionspolitik entsteht daraus eine wirklich interessante Geschichte. Es hätte mir jedoch sehr geholfen, wenn der Klappentext ansatzweise darauf hingewiesen hätte, dass es sich um Science-Fiction handelt – ich wollte das lange nicht wahrhaben trotz des Autors.
Fazit: Eigentlich sehr interessant, wenn man weiss, worauf man sich einlässt. 6 von 10 Punkten.
REM von Annika Strauss mit Sebastian Fitzek
Da war er, unser diesjähriger Sommer-Fitzek, geschrieben von Annika Strauss. Geforscht wurde an Träumen von Schlaflosen! Lebendig wurden sie, die Träume! Durch die Gänge fliegt der Horror, den Guten zum Schutz, den Bösen zum Trutz. Gott sei Dank nur in einem verfallenen alten Hotel, abgelegen in den dunklen Wäldern, wo dich niemand schreien hört! Näh …
Fazit: Erinnerte mich zu stark an die Splatter-Horrorbücher der 80er. Dürftige 5 von 10 Punkten.
Eine Welt ohne Männer von Konstantin Wagner
Es herrscht wieder Pandemie! Bloss ist das Virus diesmal wirklich aggressiv und tötet nur die Männer der Welt. Interessanter Plot, der ziemlich bald in die Kerbe »ist doch eigentlich ganz gut so« schlägt. Ohne Männer gibt es keine Kriege mehr, einen verringerten CO2-Ausstoss (ernsthaft!) und endlich eine Päpstin! So geht das Buch dahin, rafft 4 Milliarden Männer hinweg – ohne klare Zeitlinie, mit Widersprüchen und einem Berg offener Fragen – sagt meine Frau 🙂
Fazit: Was zum Teufel haben wir da gelesen?! 4 von 10 Punkten.










